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NABU-Lippstadt: Geheimrat Prof. Wilhelm Wetekamp -
der Politiker |
Auszug aus dem Originalprotokoll der Rede vor dem
Preußischen Abgeordnetenhaus 1898:
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"Aber die Ausdehnung der Bodenkultur bedarf,
glaube ich, einer gewissen Einschränkung. Wir dürfen sie nicht
so weit kommen lassen, daß die Natur vollständig vernichtet
wird...." |
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"Es
liegt was in der Luft...
Tatsächlich lag Naturschutz als neues Phänomen um 1900 gleichsam in der
Luft. Seit den 1870ern entstanden Tier- und Naturschutzvereine. 1875
gründete sich der Deutsche Verein zum Schutze der Vogelwelt. 1899
konstituierte sich unter dem Vorsitz von Lina Hähnle der Bund für
Vogelschutz, aus dem der heutige NABU hervorging. 1902 entstand in
München der Isartalverein, 1904 der Bund Heimatschutz und 1909 fanden
sich Befürworter eines großflächigen Naturschutzes im Verein
Naturschutzpark zusammen. Vor dem Hintergrund dieses
zivilgesellschaftlichen Drucks musste sich der Staat dem neu
entstandenen Politikfeld Naturschutz zuwenden. Da Naturschutz nach dem
damaligen Verständnis zur kulturellen Sphäre zählte, und dieser Bereich
Ländersache war, nahmen sich die Bundesstaaten des Kaiserreiches des
Gegenstandes an. In Preußen als mit Abstand größtem deutschen Land
gelang 1906 mit der Gründung der Staatlichen Stelle für
Naturdenkmalpflege der entscheidende Durchbruch."
(aus: "Rückenwind aus dem Parlament Ein Blick in die
Naturschutz-Geschichte" von Hans-Werner Frohn, erschienen in
"Naturschutz heute" Heft 1, 2008)
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100
Jahre staatlicher Naturschutz:
Im Jahre 2006 feierte die Bundesregierung dieses Jubiläum
mit einem Festakt und einer Reihe von Publikationen. Anlass war die
Gründung der Staatlichen Stelle für
Naturdenkmalpflege im Jahre 1906. Sie war das
Ergebnis eines langen Prozesses, bei dem der Staat seine
Verantwortung für den Erhalt von Landschaft und Natur nicht mehr
leugnen konnte. Diese Institution gilt als Vorläufer für das 1993
gegründete Bundesamt für Naturschutz.
Diese Entwicklung nahm mit einer sprichwörtlich bahnbrechenden Rede
des Abgeordneten Wilhelm Wetekamp vor dem Preußischen
Abgeordnetenhaus seinen Anfang:
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Rückblick, 30.März 1898:
Der Anstoß durch W.Wetekamp
Wilhelm Wetekamp, Mitglied der "Freisinnigen Volkspartei"
setzte mit seiner eindringliche Rede im Preußischen Abgeordnetenhaus
eine Debatte in Gang, die zur Einrichtung der ersten
staatlichen "Naturschutzbehörde" führte. Die Versammlung war mit der
dritten und letzten Lesung des "Staatshaushaltsetats" befasst, als
Wetekamp ein neues Thema in die Debatte bringt. Er macht auf die dringende Notwendigkeit
einer Naturschutzgesetzgebung aufmerksam und belegt dies durch den
wachsenden Artenrückgang. Die ersten Reaktionen darauf:
Regierungskommissar Kuegler findet es "...zweifelhaft,
ob das so recht zu den Aufgaben des Kultusministeriums gehört", und
hält es "
für etwas hartherzig, daß der Herr Abgeordnete in der dritten
Berathung (-) noch eine so schwere Aufgabe stellt".
Bild:
Geheimrat Prof. Dr. Wilhelm Wetekamp aus Lippstadt
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Der Abgeordnete
Szmula
ist der Ansicht, das "Die Haiden und Moore und alle übrigen hier
genannten einzigartigen Naturtypen bestehen zu lassen, (-) auch nicht
möglich sein (wird), weil wir darauf angewiesen sind, von Wald
und Boden Nutzen zu ziehen (-) weil durch den Bau von Eisenbahnen
und Chausseen (-) der Grund und Boden täglich weniger (-)"
werde, und nicht mehr...!
[Protokoll der Rede]
Die
Folgen: Aus einem Zeitungsbericht zum 70.Geburtstag
Wetekamps:
[Quelle]
"(-) In seinen persönlichen Erinnerungen
(„Heimatschutz in Brandenburg“ 1919, Nr.2) schreibt Museumsdirektor
H. Conwenz: Auf diese Anregung, die eine freundliche Aufnahme im
Parlament fand, hat Ministerialdirektor Althoff seine wohlwollende
Unterstützung zugesagt, und auf seine Veranlassung war am 13.
Dezember 1898 in den Räumen des Kultusministeriums zwischen den
Vertretern der einschlägigen Ressorts eine Besprechung veranstaltet
worden, bei der Wetekamp
das einleitende Referat zu halten hatte. Auf Beschluss dieser
Versammlung sollte eine Anzahl von wissenschaftlichen Vereinen
Universitätslehrern und Schulmännern zur Aeußerung über die
Notwendigkeit der Erhaltung von Naturdenkmälern und der staatlichen
Unterstützung dieser Bestrebungen aufgefordert werden. Als dann 1906
die staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen eingerichtet
worden war, bildete sich in der Mark Brandenburg eine
Provinzialkommission für Naturdenkmalpflege
unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten, und Wetekamp, der inzwischen
als Direktor des Werner-Siemens-Realgymnasiums seinen Wohnsitz in
BerlinSchöneberg genommen hatte, wurde zu ihrem leitenden
Geschäftsführer gewählt. (-)"
Der Naturschutzgedanke war zu dieser Zeit in der Bevölkerung bereits tief verankert.
Das Bewusstsein um eine immer weiter um sich greifende
Landschaftszerstörung durch wachsende Industrie und immer
technisiertere Landwirtschaft - und damit auch der politische Druck -
wuchs. So fiel Wetekamps Rede im Reichstag auf
fruchtbaren Boden. Auch der Grundstein des heutigen NABU , der
Bund für Vogelschutz - BfV, wurde
1899 durch Lina Hähnle (Vorsitzende bis 1938) gegründet.
Nach 1900 kam es zu den ersten gesetzlichen Regelungen zum
Landschaftsschutz:
Erste gesetzliche Regelungen
zum Landschaftsschutz:
"(-) Parallel zum erfolgreichen Kampf um den Erhalt der
Wälder um Berlin gelang es in dieser Zeit auch, die ersten Seeufer
vor Bebauung zu schützen (Abb. 3). In Preußen begann um 1900 eine
Diskussion über den Schutz nationaler Baudenkmäler. Ein seit 1901
laufendes Vorhaben für ein Denkmalschutzgesetz verlagerte seinen
Schwerpunkt aber mehr und mehr auf die Sicherung historischer
Bauensembles. Das 1907 erlassene Verunstaltungsgesetz war jedoch
nicht nur auf den Schutz von Ortsbildern gerichtet, sondern bot im §
8 auch die Möglichkeit, Bauvorhaben außerhalb von Ortschaften zu
untersagen. Auf Grundlage des Verunstaltungsgesetz sowie des bereits
1902 verabschiedeten Gesetzes gegen Reklameschilder erließen die
Regierungspräsidenten von Potsdam und Frankfurt/Oder zwischen 1909
und 1914 46 Schutzverordnungen. Diese entsprangen zwar
landschaftsästhetischen Zielsetzungen - das Landschaftsbild sollte
vor Veränderungen bewahrt werden. Damit wurden jedoch erstmals
zahlreiche Ufer von Flüssen und Seen für Erholungszwecke gesichert.
(-)"
[Regine Auster: Schutz den Wäldern und Seen! Die Anfänge des
sozialpolitischen Naturschutzes in Berlin und Brandenburg in:
Naturschutz und Demokratie!?. CGL-Studies, Band 3]
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Wetekamp-Rede im Original:
Auszug
aus dem Protokoll: 59. Sitzung, 30.März 1898
[download: .pdf]
(Quelle:
Archiv des Deutschen Bundestages)
Ergänzungen: J. Rommerskirchen MdB
i.R. / P.Hoffmann |
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Aus dem
Bundesnaturschutzgesetz: " Natur und
Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Lebensgrundlagen
des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im
besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, zu pflegen, zu
entwickeln und, soweit erforderlich, wiederherzustellen, dass
1. die
Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts,
2. die
Regenerationsfähigkeit und nachhaltige Nutzungsfähigkeit der
Naturgüter,
3. die Tier- und
Pflanzenwelt einschließlich ihrer Lebensstätten und Lebensräume sowie
4. die Vielfalt,
Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft
auf Dauer gesichert sind. "
(Ausfertigungsdatum:
25. März 2002 Verkündungsfundstelle: BGBl I 2002, 1193 Sachgebiet: FNA
791-8, GESTA N011 Stand: Stand: Geändert durch Art. 167 V v. 25.11.2003
I 2304)
Mit diesen
Aussagen beginnt das Bundesnaturschutzgesetz in der aktuellen Fassung.
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Zur Eröffnung Eröffnung des
Kongresses Naturschutz und Nationalsozialismus in Berlin (Umweltforum)
am 4.Juli.2002 setzte sich der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin
kritisch mit der Rolle des Reichsnaturschutzgesetzes auseinander. Zur Frage
nach den Ursprüngen des Naturschutzes sagte er:
"... Woher kommt der
Naturschutz? Was sind seine Wurzeln?
Ideengeschichtlich betrachtet
war der Naturschutz ein Kind der Romantik. Mehr oder weniger stark
ausgeprägte Naturliebe bis hin zur Naturschwärmerei war sein
Markenzeichen. Und ohne einen emotionalen Bezug zur Natur kommen wir auch
heute - selbstverständlich - nicht aus. Die in Deutschland rasanter als
anderswo in Europa und besonders expansiv verlaufende Industrialisierung
durch das aufstrebende Wirtschaftsbürgertum hatte gleichzeitig viele
Bürger überfordert und verunsichert. Sie konnten innerhalb einer halben
Generation die tiefgreifenden Umwälzungen der gewohnten Umgebung nicht
begreifen. Man kann sich sehr wohl eine gewisse Orientierungslosigkeit
vorstellen, die Technikfeindlichkeit, Großstadtfeindlichkeit aber auch
Naturliebe bis hin zur Naturschwärmerei förderte. Nicht umsonst sangen
die Jugendbewegten und Wandervögel Anfang des 20. Jahrhunderts
"Aus grauer Städte Mauern zieh'n wir ins Land hinaus..."
[Vollständige
Rede Download .pdf-Datei]
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