|
|
NABU-Lippstadt: 4.Sept. 2009:
150. Geburtstag:
Geheimrat Prof. Wilhelm Wetekamp aus Lippstadt |
|
 |
Wilhelm Wetekamp - der
Naturschützer
In einem Gespräch mit seiner Heimatzeitung, dem Lippstädter
Tageblatt - "Der Patriot", erzählte der 70jährige Wilhelm
Wetekamp über prägende
Begegnungen und Erlebnisse seiner Schulzeit. Sie hatten in
ihm offenbar das Interesse am der Erhalt vo Landschaft und Natur
geweckt und waren die Wurzeln seines späteren Engagements. Am Textende erfahren wir etwas über
seine Persönlichkeit. Der unbekannte Autor formuliert den Wunsch:
"Möge er
uns in seiner
Urwüchsigkeit und Originalität in Kraft und Gesundheit zum Wohle
seiner vielseitigen Bestrebungen noch recht lange erhalten
bleiben" |
|
links:
handkoloriertes Glasdia aus den frühen 1930ger Jahren.
Mit freundl. Genehmigung:
Stiftung Naturschutzgeschichte, Königswinter; NL Hähnle
|
|
Frühe
Naturschutzaktivisten:
| Wetekamp, im Bund
Heimatschutz - Ortsgruppe Brandenburg engagiert, (einem der
ersten Naturschutzverbände) und Geschäftsführer der
Brandenburgischen Provinzialkommission für Naturdenkmalpflege,
hatte begonnen, die großen Findlinge in der Mark Brandenburg zu
erfassen und zu dokumentieren. Sein Schüler und Mitstreiter Hans
Klose (1880–1963) brachte diese Arbeit zum Abschluss und
veröffentlichte ihre wichtigsten Ergebnisse. Klose und Wetekamp
initiierten die Erfassung besonderer Bäume als Naturdenkmale in
Berlin und Brandenburg und die Ausweisung der ersten märkischen
Naturschutzgebiete. |
Kampf gegen die Waldzerstörung -
Berliner Waldschutztag 1909:
Inzwischen gab es zahlreiche Gruppierungen,
die sich gegen die Bodenspekulationen und den Verkauf der
Waldflächen um Berlin einsetzten.
"(-) Die damalige Naturschutzbewegung war (-) gesellschaftlich
wesentlich breiter verankert, als bislang dargestellt." (-)
"Der Waldschutzverein und der Ansiedlungsverein standen alsbald
an der Spitze der Berliner Waldschutzbewegung. Im Januar 1909
organisierten sie zusammen mit dem Bund der Deutschen Bodenreformer,
dem Bureau für Sozialpolitik, der Deutschen
Gartenstadt-Gesellschaft, der Landesgruppe Brandenburg des Bundes
Heimatschutz und der Zentralkommission der Krankenkassen den 2.
Berliner Waldschutztag, an dem über 30 Vereine aus dem breiten
Spektrum der Reformbewegungen teilnahmen. Die Teilnehmer des
Treffens forderten den Erhalt von Wäldern durch die Stadt Berlin und
die Aufstellung eines modernen Generalbebauungsplanes für
Groß-Berlin.
„Wir müssen durch Übernahme der Wälder seitens der Kommune einen
Gemeinbesitz an die Stelle des Einzelbesitzes treten lassen, einen
Besitz, der, wenn er auch nicht faktisch vorhanden ist, doch ideal
da ist, und wir können keinen schöneren solchen Besitz haben als
unsere gemeinsame, schöne Natur, in der wir uns gemeinsam, hoch und
niedrig, reich und arm, bewegen können und immer wieder neue Kraft
und Freude für das Leben finden können“,
fasste Wilhelm Wetekamp für den Bund
Heimatschutz Brandenburg die Intentionen der Waldschutzbewegung
zusammen. (-)"1)
1) [Beitrag aus: Gröning,
Gert; Wolschke-Bulmahn, Joachim (Hg.) Naturschutz und Demokratie!?
CGL-Studies, Band 3, München, Martin Meidenbauer Verlag, 2006,
Regine Auster: "Schutz den Wäldern und Seen!" (Verhandlungen
des Zweiten Berliner Waldschutztages, Berlin 1909, S. 28)]
|
|
Im der
Lippstädter
Tageblatt >Der Patriot<, erschien am 8.10.1929 folgender Bericht:
[Abschrift]
[Download] |
 |
Abschrift:
"Wie
wir schon mitteilten, hat Oberstudiendirektor i.R. Prof. Dr. Wilhelm
Wetekamp am 4. September seinen 70. Geburtstag gefeiert. In Lippstadt
1859 geboren, besuchte er unter Ostendorf die Realschule seiner
Heimatstadt. Schon hier empfing er die ersten Anregungen, die ihn später
zum Vorkämpfer des preußischen Naturschutzes machten. Der Herr Geheime
Studienrat hat dem Schreiber dieser Zeilen darüber folgende Angaben
gemacht:
Die erste Anregung inbezug auf die
Notwendigkeit eines Naturschutzes habe ich schon in meiner Knabenzeit
erhalten. Die Gegend von Lippstadt war damals ein Dorado für Botaniker
und Zoologen; im Süden lehmiger, mergeliger und kalkiger Boden, im
Norden ein Kranz von Gärten, Wiesen und Kämpen, ausgedehnte Heiden,
Moore, Laub- und Kiefernwald. Jetzt ist leider die ursprüngliche Natur
bis auf winzige Reste verschwunden; sie ist fast restlos der „Kultur“
gewichen. Als Quartaner machte ich mit meinem Lehrer Dr. Buddeberg
häufiger Ausflüge in die Umgebung um in Teichen und Gräben Wassertiere
zu sammeln. Als ich dann in den folgenden Jahren sah, wie ein Teich und
Graben nach dem anderen ver-schwand, dämmerte in mir der Gedanke auf,
da? Dadurch ein großer Teil der Natur und der Lebewesen in ihr
vernichtet würde und der naturwissenschaftliche Unterricht darunter
leiden müsse.
Später machte uns Professor Hermann M ü
l l e r, der Erforscher der Beziehungen zwischen Blumen und Insekten,
bei der Gelegenheit eines geologischen Ausfluges auf prachtvolle
Hornsteinfelsen bei Belecke aufmerksam und sagte dabei : „Wie lange wird
es dauern, da liegen sie als Schotter auf der Chaussee“. Wir alle waren
erschreckt und erstaunt, dass es erlaubt sein könne, derartige
landschaftliche Schönheiten, die der Allgemeinheit gehörten, zu einem
solchen Zwecke zu vernichten. Einen weiteren Anstoß erhielt ich als
Primaner bei der Gelegenheit einer Rheinreise. Hier sah ich, wie das
Siebengebirge derart von allen Seiten her von Steinbrüchen angeknabbert
wurde, dass die völlige Zerstörung des Gebirges unvermeidlich erschien.
Diese Erfahrungen und weitere auf späteren Reisen ließen mich die
Notwendigkeit eines Naturschutzgesetzes immer stärker fühlen.
Sodann noch eins: Annette von
Droste-Hülshoff spricht in ihren Bildern aus Westfalen, als sie die
anmutige Bergische Hügellandschaft beschreibt, mit rauer den Gedanken
aus, dass alle diese Schönheiten durch Zechen und Schlote zerstört
würden. Der Gedanke an die Zerstörung der Natur muss naturnotwendig am
ersten da sich einstellen, wo Bergbau und Industrie in raschem
Fortschreiten sind.
In seinen persönlichen
Erinnerungen („Heimatschutz in Brandenburg“ 1919, Nr.2) schreibt
Museumsdirektor H. Conwenz: Es war am 28. Dezember 1899, als Wetekamp,
damals Oberlehrer in Breslau, und ich, damals Museumsdirektor in Danzig,
in Posen zusammensaßen, um gemeinsam die Aufgaben der
Naturdenk-malpflege und ihre Förderung staatlicherseits zu erörtern. Als
Mitglied des Abgeordnetenhauses hatte er in der Sitzung am 30. März 1898
bei der dritten Lesung des Haushaltes darauf hingewiesen, dass
alljährlich zwar bedeutende Summen für botanische Gärten, d.h. für die
Kultur fremder Pflanzenarten sowie für naturwissenschaftliche Museen
ausgegeben würden, das aber bisher nichts geschehen sei zur Erhaltung
der einheimischen Pflanzen und Tierwelt, zum Schutz der Denkmäler aus
der Entwicklungsgeschichte der Natur. Auf diese Anregung, die eine
freundliche Aufnahme im Parlament fand, hat Ministerialdirektor Althoff
seine wohlwollende Unterstützung zugesagt, und auf seine Veranlassung
war am 13. Dezember 1898 in den Räumen des Kultusministeriums zwischen
den Vertretern der einschlägigen Ressorts eine Besprechung veranstaltet
worden, bei der Wetekamp das einleitende Referat zu halten hatte. Auf
Beschluss dieser Versammlung sollte eine Anzahl von wissenschaftlichen
Vereinen Universitätslehrern und Schulmännern zur Aeußerung über die
Notwendigkeit der Erhaltung von Naturdenkmälern und der staatlichen
Unterstützung dieser Bestrebungen aufgefordert werden. Als dann 1906
die staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen eingerichtet
worden war, bildete sich in der Mark Brandenburg eine Provinzialkommission für Naturdenkmalpflege unter dem Vorsitz des
Oberpräsidenten, und Wetekamp, der inzwischen als Direktor des
Werner-Siemens-Realgymnasiums seinen Wohnsitz in BerlinSchöneberg
genommen hatte, wurde zu ihrem leitenden Geschäftsführer gewählt. Er
bekleidet dieses Ehrenamt auch heute und hat im Laufe der Jahre eine
Anzahl Hefte der Mitteilungen der Brandenburgischen Provinzialkommission
für Naturdenkmalpflege veröffentlicht, die die Jahresberichte seiner
Tätigkeit und mehrere Aufsätze mit Abbildungen enthalten. Seit mehr denn
10 Jahren hat er sich vornehmlich mit der Inventarisierung und
Kartierung der erratischen Blöcke in der Mark beschäftigt, worüber er
eine größere Veröffentlichung vorbereitet. Neben der Naturdenkmalpflege
unterstütz Wetekamp auch die Bestrebungen des Heimatschutzes im
Allgemeinen. Als 1907 eine Landesgruppe Brandenburg des Bundes
Heimatschutz entstand, trat er neben dem Landesdirektor an deren Spitze
und führte gewöhnlich den Vorsitz in der Versammlung. Ebenso war eifrig
bemüht, durch Vorträge und Druckschriften die Sache des Natur und
Heimatschutzes in der Mark wirksam zu fördern.(-)"
Im letzten Textabschnitt
wird Wetekamps Engagement für eine Schulreform vorgestellt. Eine zur
besseren Lesbarkeit bearbeitete Kopie des vollständigen Textes gibt es
hier als Download.
Quelle: Stadtarchiv Lippstadt,
Abschrift und Bearbeitung:
P. Hoffmann, Lippstadt
|
|
|
Wilhelm Wetekamp 78 Jahre alt
"Der Patriot" vom 2. September 1937 |
 |
|
|
Goldene Hochzeit: Ehepaar Wetekamp
"Der Patriot" vom 18.Juli 1938 |
 |
|
Professor Wetekamp 80 Jahre alt
Vorkämpfer für Naturschutzpflege
"Der Patriot" 5. September 1939 |
 |
|
|
[nach oben]
Counter
|